
Franz West wird am 16. Februar 1947 in Wien geboren. Die Mutter Emilie West (1907–1988) ist Zahnärztin und der Vater Ferdinand Zokan (1903–1971) betreibt eine Kohlenhandlung, Schwester Anna wurde 1935 geboren. Die Familie wohnt im Karl-Marx-Hof, einem berühmten Wiener Gemeindebau, die Praxis der Mutter ist an die elterliche Wohnung angeschlossen, was auf das zukünftige künstlerische Schaffen Einfluss haben wird.

Die Schulzeit in Wien ist von diversen Abbrüchen und Schulwechseln geprägt, er beendet die Schulzeit ohne Abschluss. Bereits zu dieser Zeit besucht er Lokale, in denen die Wiener Künstler:innenszene präsent ist: das Café Sport, das Art Center, das Café Hohenstaufen, das Café Savoy und das Kleine Café.



Biografische Versatzstücke aus Kindheit und Jugend finden sich viele Jahre später, mehr oder weniger verborgen, im künstlerischen Material: der Vorname der Schwester Anne, das eigene Kinderbett in „Zitat“ oder die ausrangierte elterliche Waschmaschine in „Eo ipso“.



Am 28. Juni findet die 3. Aktion von Hermann Nitsch im Studio von Otto Muehl statt, das „Fest des psycho-physischen Naturalismus“. Franz West ist Zuschauer dieses ersten öffentlich zugänglichen performativen Aktes der Wiener Aktionisten. In seiner Karriere positioniert er sich immer wieder gegen diese künstlerische Bewegung. Rund 20 Jahre später verarbeitet er diese Begegnung in einer Gouache auf einer Zeitschriftenseite.


Die im allgemeinen Sprachgebrauch sogenannte „Uni-Ferkelei“ findet am 7. Juni im Hörsaal 1 des Neuen Institutsgebäudes der Universität Wien statt. „Kunst und Revolution“ lautet der eigentliche Titel der Veranstaltung von Günter Brus, Franz Kaltenbeck, Otto Muehl, Peter Weibel und Oswald Wiener mit Texten und Aktionen, die zur gerichtlichen Verfolgung von Brus, Muehl und Wiener führen. Franz West selbst kolportierte zeitlebens, dass er selbst anwesend war, sogar das Publikum zum Applaus animierte.

Ungefähr zu der Zeit, als sein Vater stirbt, beginnt Franz West – wie aus einem Akt der Befreiung heraus – sich autodidaktisch künstlerisch zu entfalten. Symbolisch dafür steht die sukzessive Loslösung von seinem Familiennamen, Zokan, hin zum Mädchennamen seiner Mutter, West. Nach eigenen Aussagen sollte diese Kunst seiner Mutter gefallen, womöglich auch seinen künstlerischen Weg begründen, daher bezeichnet er diese Arbeiten später als „Mutterkunst“. Es entstehen kleinformatige Papierarbeiten: Kugelschreiberzeichnungen, Bleistiftzeichnungen, Gouachen und Aquarelle.
Anfang der 1970er-Jahre intensiviert sich der Kontakt zu seinem um siebzehn Jahre älteren Halbbruder und Arbeiterdichter Otto Kobalek. Otto, der auch Schauspieler ist, beeindruckt Franz West mit seinem kreativen Umgang mit Körper und Sprache. Durch ihn lernt er weitere Künstlerpersönlichkeiten der Wiener Szene kennen.



Erste plastische Werke entstehen und West lernt den Literaten, Essayisten und Kunstkritiker Reinhard Priessnitz kennen, mit dem er später wichtige Texte zu seinen Werken formuliert.




Unter dem Titel „Zentral-Thema: Verblödung und Semantik“ stellt West das erste Mal in der Wiener Galerie nächst St. Stephan aus. Er zeigt Collagen mit Abziehbildern.

Bruno Gironcoli, der 1977 Leiter der Bildhauerschule der Akademie der bildenden Künste wurde, arbeitet u.a. mit Polyester. Er ermöglicht Franz West auf Empfehlung des gemeinsamen Dichterfreundes Hermann Schürrer das Arbeiten im Steinsaal der Akademie. West will Skulpturen für den Außenraum schaffen und interessiert sich besonders für das formstabile, aber gesundheitsschädigende Material Polyester, fokussiert sich dann jedoch mehr auf seine Passstücke. Gironcoli nimmt ihn nach einigen Monaten offiziell in seine Klasse auf.
Ich wollte die rosa Reliefs, die ich damals aus Papiermaché machte, auch für außen, im freien Raum stehend zu Skulpturen transformieren. Doch auf der Akademie hatte ich bloß Interesse an meiner damals begonnen Serie Passstücke, die man im Kunsthandel, entgegen ihrem Sinn, nicht berühren oder gar mit ihnen hantieren durfte.“



Erste Auslandsausstellung. Die Galerie forme, betrieben vom Künstler Jürgen Wegener in Frankfurt am Main, zeigt eine Auswahl seiner Collagen mit Abziehbildern. Vermittelt wird er über den deutschen Kunsthändler Franz Dahlem. Im Kontext dieser Begegnung entstehen rund zehn Jahre später die so genannten „Wegener Räume“.


Franz West zeigt erstmals seine Passstücke in einer Ausstellung (Galerie nächst St. Stephan, 26. März bis 12. April). In der Einladung steht, dass die Objekte verwendet werden sollen und: „Ich nenne die Passstücke mit menschlichen Körpern Kunst.“


Gemeinsam mit Lisa de Cohen, Ludmilla Giradoni, Wendy von Nagler und Otto Kobalek entstehen in den Bildhauerateliers ab 1982 erste Filme, die Akteur:innen mit Passstücken zeigen. Unterlegt wird das Videomaterial mit klassischer Musik. Später werden diese Videos oft Teil von Ausstellungen.
Nach seiner Akademiezeit, die Franz West ohne Abschluss beendet, kann er den dortigen Arbeitsraum nicht mehr nutzen. Über Reinhard Priessnitz lernt er Rudolf Polanszky kennen, der ihm den vorderen Teil seines Ateliers in der Schlösselgasse 11 im 8. Wiener Gemeindebezirk zur Verfügung stellt.
Im Februar zeigt die Kunsthandlung Hummel die Einzelausstellung „Signaturalismen“. Im Titel der frühen Ausstellung erkennt man die Beschäftigung mit Sprache und Autor:innenschaft, die sich über den gesamten Werkkomplex ziehen wird. Die Ausstellung zeigt, wie vielfältig West von Beginn an arbeitete. Zu sehen sind Passstücke, Namensbilder, Papierarbeiten, ein Video und erste skulpturale Möbel.

Für die Ausstellung im Kunsthaus Zürich „Spuren, Skulpturen und Monumente ihrer präzisen Reise“ (November 1985 – Februar 1986) schafft West mit „Zitat“ seine erste große Skulptur mit über zwei Metern Höhe und er erlangt internationales Renommee.
[...] ja da liegt’s: bei Zitat dreht es sich um ein lange von mir belegtes, auffrisiertes, mit Bleifolie überzogenes Bettgestell.“
Im Herbst beginnt die Zusammenarbeit mit dem Galeristen Peter Pakesch, der ihn im folgenden Jahrzehnt vertritt.
Erste Einzelausstellung im Museum: „Legitime Skulptur“ zeigt in der Neuen Galerie im Landesmuseum Joanneum in Graz Skulpturen und Reliefs. Werke, wie „Freude“, „Wittgensteinzitat“, „Idiosyngramm“ oder „Sims“ spiegeln die Beschäftigung mit der Wiener Kultur- und Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts. Ferdinand Schmatz verfasst mit Franz West kurze Texte, die Bestandteil der Werke sind.
Erste Einzelausstellung in der Galerie Peter Pakesch, Ballgasse in Wien: West zeigt eine variantenreiche Auswahl an Arbeiten aus Papiermaché, darunter die dreiteilige Skulptur „Redundanz“.
Am 6. November enthält Franz West für seine Skulptur „Artikulation“ den „Otto-Mauer- Preis“.





Für die Ausstellung im Außenraum „Skulptur Projekte Münster“ entsteht „Eo ipso“. Wests erste Skulptur im öffentlichen Raum wird an der Ecke Krumme Straße und Breite Gasse aufgestellt und besteht aus einer türkisgrünen Sitzgelegenheit, für die Teile der elterlichen Waschmaschine verwendet wurden.
Im Herbst zeigt die Wiener Secession „Einsicht“, die erste Personale in einer Wiener Institution. Dazu erscheint der Katalog „Ansicht“.


Am 28. März stirbt Wests Mutter.
Erste Ausstellung in einer amerikanischen Institution: „Possibilites“ im P.S.1 in New York ist eine Überblicksschau, kombiniert mit neuen Werken. Vor Ort geschaffene Paravents sollen Besucher:innen als Kabine dienen, um sich zu entkleiden um dann mit Passstücken nackt zu hantieren. Das Betreten der Kunst trifft auf die Interaktion, das Publikum wird Akteur:in.
In der Weißgerberlände mietet Franz West sein erstes eigenes Atelier. Dort entstehen unter anderem Möbelskulpturen aus Metall, eine Werkgruppe, die zunehmend an Bedeutung gewinnen wird.
Metallsitze und -liegen werden im Kunsthistorischen Museum Wien vor Gemälden alter Meister wie Caravaggio, Vermeer und Velazquez platziert und sollen der kontemplativen Kunstbetrachtung dienen. West ist der erste Künstler, dessen Werke zu Lebzeiten im Kunsthistorischen Museum ausgestellt werden.


Franz West vertritt Österreich auf der Biennale di Venezia. Er stellt Sitze und Liegen auf Podesten unter freiem Himmel auf der Punta della Dogana am Canale Grande vor Santa Maria della Salute auf. Für den Österreichischen Pavillon in den Giardini lässt West seine Passstücke erstmals in Aluminium gießen, was er aufgrund der ihm unangenehmen Haptik später aber wieder verwerfen wird. Um möglichst wirklichkeitsgetreue Fotos der Aufstellung für den Katalog zu erstellen, streicht er die Wände seines Wiener Ateliers rot wie die des Pavillons in Venedig und inszeniert seine Werke davor.
Die zweiteilige Skulptur „Revision I und II“ besteht aus vier übereinander geschichteten Papiermaché-Formen für den Innenraum und das aus Aluminium abgegossene Duplikat für den Außenraum.



Der künstlerische Leiter der documenta IX, Jan Hoet, beauftragt Franz West mit der Bestuhlung des Freilichtkinos. West entwickelt seine Metallmöbel zu Diwanen weiter und ergänzt sie mit einer Schaumstoffauflage, Rollen und alten Teppichen. Die Installation „Auditorium“ besteht aus 72 Diwanen. Je vier Lemurenköpfe werden im Innen- und Außenraum gezeigt. Für West sind die Lemuren Interpretation einer Menschendarstellung.
Im Herbst übernimmt West für drei Semester eine Gastprofessur an der Städelschule in Frankfurt am Main.



In der Warschauer Galerie Foksal zeigt West im Herbst 1992 „Studia do sztuki amerykanskiej“ („Investigations of American Art“) Skulpturen aus Papiermaché mit klingenden Titeln, wie „Pan Am Building“ und „Statue of Liberty“. In leicht veränderter Form eröffnet diese Ausstellung die Galerie Zwirner in New York im Frühjahr 1993. Dort wird ein Film von Bernhard Riff und Franz West gezeigt, in dem der Kurator Kasper König mit West über die Skulpturen spricht.


Franz West erhält den Skulpturenpreis der Wiener EA-Generali Foundation.
„Zusammen ergeben die 28 Diwane eine Komposition, die von einem imaginären Punkt über dem Platz sichtbar wäre. Wenn Sie sich hinlegen wollen, ziehen Sie bitte die Schuhe aus, um das Kunstwerk zu schützen“, schreibt Franz West als Text zur Installation, die unter dem Titel „Test“ auf einer Plattform vor dem Museum of Contemporary Art in Los Angeles zu sehen ist. Die Sofas mit den bunten Überzügen werden, ähnlich wie die der documenta IX 1992, vom Publikum geschätzt, die Los Angeles Times widmet dem Werk einen Beitrag.
Unter dem Titel „Rest“ wird die Installation im Herbst am Dach der Dia Art Foundation in New York gezeigt. Die Überzüge werden wieder von Gilbert Bretterbauer gestaltet, diesmal sind sie schwarz-weiß.
Fast zeitgleich eröffnet David Zwirner seine erweiterten Galerieräume mit „Home Elements (A Retrospective)“. Im Ankündigungstext schreibt die Galerie: „Die Sammler werden dazu angeregt, die ausgestellten ,Home Elements‘ durch vergleichbare Gegenstände oder Möbel aus ihrem eigenen Zuhause zu ersetzen.“ Die Zusammenarbeit mit David Zwirner bleibt für die kommenden Jahre eng.


Am 3. Mai stirbt Wests Bruder Otto Kobalek in Wien.
Otium, das einzige Künstlerbuch von Franz West erscheint. West spricht Gedanken und Ideen auf Band, lässt diese transkribieren, überarbeitet den Text mit Korrekturfluid und neuen verhandschriftlichten Gedanken. Dieses Dokument wird gemeinsam mit drei bis dahin unveröffentlichten Gedichten seines Bruders Otto zum Buch „Otium“.

„Proforma“, die erste große Retrospektive von Franz West findet im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig im 20er Haus in Wien statt. Die Kuratorin Eva Badura-Triska stellt in intensiver Zusammenarbeit mit West dessen Biografie zusammen und rekonstruiert die künstlerische Entwicklung bis Mitte der 1990er-Jahre. Diese Recherchen bilden die Grundlage für das Archiv Franz West.

Angeregt durch eine Einladung zu einem Metallsymposium in Spital am Phyrn widmet sich Franz West dem Material Metall. Er produziert „Autostat“, verstanden als Gegensatz zu „Auto-mobil“. Da die Konstruktion aus Eisenblech rostet, beginnt er Aluminium für Außenskulpturen zu verwenden.



Das Atelier am Esteplatz im 3. Wiener Gemeindebezirk wird Zentrum des künstlerischen Schaffens. Ein Team an Assistent:innen ist dort mit Franz West tätig.


Im Sommer 1997 ist Franz West bei drei großen europäischen Ausstellungen vertreten:
Auf der 47. Biennale di Venezia zeigt Franz West in der Corderie dell’Arsenale u.a. die Installation „Heim“, ein Werk in gemeinsamer Autorenschaft mit Haim Steinbach und Heimo Zobernig. Zur documenta X lädt ihn Heimo Zobernig ein, gemeinsam den Raum für die Veranstaltungsreihe „100 Tage – 100 Gäste“ zu gestalten. Bei der Ausstellung „Skulptur Projekte Münster“ zeigt West u.a. die bereits bunt überarbeitete Version von „Etude de Couleur“.



Franz West ist im Frühjahr mit zwei Ausstellungen in Japan vertreten: in der Akira Ikeda Gallery in Tokyo werden Papiermachéskulpturen und Papierarbeiten gezeigt. Für die Gruppenausstellung „Eight People from Europe“ im Museum of Modern Art, in Gunma, Takasaki fertigt West die Arbeit „Tri-Tra Focus“ (Tri-Tra kurz für: Tribünen-Trapez), ein dreistufiges begehbares Podest mit 19 Stahlstühlen, deren Sitzflächen und Rückenlehnen mit Teppichauflagen bezogen sind.
Der Filmemacher Bernhard Riff begleitet West auf dieser Japanreise. Zwischen 1988 und 2001 entstehen rund 70 Videos, die Werke per se sind, aber auch oft als „Anleitungsvideos“ fungieren. Videos bilden schon früh ein wichtiges Element in der künstlerischen Praxis von Franz West und sind integrale Bestandteile von Installationen.
Am 4.11.1998 erhält Franz West den Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln.

Kollaborationen, künstlerischer Austausch und konzeptuelle Verschränkungen von Ideen sind Grundzüge der Arbeitsweise von Franz West. Bei der Ausstellung „Franz West“ im Rooseum in Malmö lädt er seine Assistent:innen Roland Kollnitz, Peter Höll und Songül Boyraz dazu ein, eigene künstlerische Beiträge zu zeigen. Unter dem Titel „West und Werkstatt“ (1999) oder „Soufflé“ (2007) vereint er immer wieder junge Künstler:innen im Kontext seines eigenen Schaffens.
Für die Herstellung der Außenskulpturen aus Aluminium wird das Atelier Paulusgasse angemietet. Die mitunter meterhohen Werke werden dort großteils nach Modellen im Maßstab 1:100 angefertigt.

Nach einer erste Soloshow im Herbst 2001 bei Gagosian in London arbeitet Franz West mit der weltweit agierenden Galerie zusammen und zeigt in New York „Sisyphos: Litter & Waste“, u.a. zehn sockellose Papiermachéskulpturen, die wie bunte, schwere Gesteinsbrocken anmuten. Teilweise sind diese mit Farbdosen oder Metallrohren gestützt um vermeintlich im Gleichgewicht zu bleiben. Im Innenraum werden auch drei imposante Aluminiumskulpturen, die eigentlich für den Außenraum gedacht sind, installiert: „Dorit“, „Laube“ und „Corona“. Letztere ist am Cover des renommierten US-amerikanischen Kunstmagazins „Art in America“ zu sehen.



„Art to Crawl Around In All Summer Long“ betitelt die New York Times einen Artikel über sieben große Außenskulpturen, die in einer Reihe vor dem Lincoln Center for the Performing Arts unter dem Titel „Mostly West“ installiert werden. Am südöstlichen Eingang zum Central Park, der Doris C. Freedman Plaza kann man auf weiteren Außenskulpturen, die jeweils den Titel „Mercury“ tragen, sitzen.


Franz West beginnt Außenskulpturen aus Epoxidharz anzufertigen. Dieses Material ist freier formbar als Aluminium und während des Herstellungsprozesses flexibler, Adaptionen sind länger und einfacher möglich.

Epoxidharz eignet sich auch zum Beschichten von Oberflächen. Arbeitstische aus dem Atelier weden samt Farbspuren damit eingelassen und als Werkgruppe „Arbeitstisch in Aspik“ zum Kunstwerk erhoben. West zeigt diese, neben Plakatentwürfen, Nippes und weiteren Möbelskulpturen in der Ausstellung „Franz West: Sale“, seiner ersten umfangreichen Schau in der Gagosian Gallery, Beverly Hills in Los Angeles.


Der Kurator der 52. Biennale di Venezia, Robert Storr, lädt Franz West ein: „The Fragile on its Cloak“ besteht aus 4 Papiermache und 3 Aluminiumskulpturen. Das sprachliche Wechselspiel im Titel – zwischen dem deutschen „Kloake“ und dem englischen Begriff „Cloak“ (für Mantel oder Bürde) – ist bewusst gewählt und nimmt Bezug auf den Ausstellungsort Venedig.
Zeitgleich organisiert West als Nebenschauplatz die Ausstellung „The Hamsterwheel“: bewusst nicht kuratiert sollen die Werke befreundeter Künstler:innen gezeigt werden, das Reglement des Kunstmarktes soll durchbrochen werden.


Im Baltimore Museum of Art findet im Herbst die erste umfangreiche US-amerikanische Retrospektive „To Build a House You Start with the Roof: Work 1972-2008“ statt. Die Kuratorin Darsie Alexander besucht Franz West im Wiener Studio am Esteplatz. Neben zahlreichen anderen Arbeiten wird die raumhohe, zweiteilige Aluminiumskulptur „Das Ich und das Es“ installiert.

„Considered one of Europe’s most influential living artists, West is known for work that has played a critical role in redefining the possibilities of sculpture and the ways that art is experienced“, steht in der Presseaussendung zur Ausstellung „Works from the 1990s“ bei Zwirner & Wirth im Frühjahr in New York. Im Juli eröffnet seine erste Einzelausstellung in Mexiko „Elefante Blanco“, in Mexiko-Stadt, und im Herbst die Retrospektive „Autotheater“ im Museum Ludwig, Köln.



Die Kuratorin der 54. Biennale die Venezia, Bice Curiger, lädt u.a. Franz West ein, einen sogenannten Para-Pavillon zu gestalten: eine skulpturale oder architektonische Struktur, die entworfen wird, um darin Werke anderer Künstler:innen zu beherbergen. Franz West zeigt die Installation „Extroversion“, dabei handelt es sich um die nach außen „gestülpte“ Atelierküche, mit rund 40 Kunstwerken von Franz West und weiteren Künstler:innen.
Am 3.6. wird Franz West von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer während seines Aufenthaltes in Venedig das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst verliehen, die höchste Auszeichnung, die die Republik Österreich für wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen vergibt.
Am 4.6. erhält Franz West auf der Biennale di Venezia den Goldener Löwen für sein Lebenswerk.




Franz West arbeitet an der Konzeption der im Herbst stattfindenden Ausstellung „Man with A Ball“ in der Gagosian Gallery in London (09.10. – 10.11.2012). Ebenso ist er in die Planung der Retrospektive im mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig in Wien involviert und gibt der Schau den Titel „Wo ist mein Achter?“ (23.02. – 26.05.2013). Im Juli gründet er die Franz West Privatstiftung.
Am 25. Juli 2012 stirbt Franz West in Wien.
Papiermaché, Karton, Stahl, Acrylfarbe, Gaze, Lack
143 (H) x 100 x 87 cm
Das Werk von Franz West beinhaltet mehr als 800 Skulpturen aus Papiermaché. Kurze und lange Ständer aus Armierungseisen wechseln sich beispielsweise mit solchen aus leeren Lackdosen ab. Manche Skulpturen aber sind meteoritenhaft direkt auf dem Boden gelandet oder hängen von der Decke ab.
Styropor, Epoxydharz, Kunstharzlack
290 (H) x 160 x 160 cm
Skulpturen für den Außenraum zu machen, war für Franz West bereits in den 1970er-Jahren von Interesse, weshalb er bei Bruno Gironcoli zu studieren begann, der mit wetterfestem Polyester arbeitete, das jedoch gesundheitsschädlich ist. Ende der 1990er-Jahre intensivierte sich Wests Beschäftigung mit dem Außenraum und es entwickelten sich rund 300 Skulpturen vorwiegend aus Aluminium oder Epoxidharz, die nun teilweise auch öffentlich zugänglich sind.
Auflage: 25, hrsg. von Memphis für Meta Memphis, Mailand
Stahl
85 x 70 x 72,5 (H) cm
Möbelskulpturen sind für Franz West eine Erweiterung seiner berühmten Passstücke: Ein Stuhl sei gleichsam der Abdruck eines Menschen, wenn er nicht gerade geht, liegt oder steht.
Gips, Metall (Duschkopf)
51 x 33 x 15 cm
In den 1970er-Jahren interpretierte Franz West den herkömmlichen Skulpturenbegriff neu: Objekte sollen verwendet werden und an den Körper angepasst eine zusätzliche künstlerische Dimension erlangen. Verwendete Materialien sind vorwiegend Gips, Gaze und Papiermaché, die er mit alltäglichen Gegenständen wie Besenstielen, Pinseln, Griffen oder hier zum Beispiel mit einem Duschkopf kombinierte.
Im Katalog zur Ausstellung „Autotheater“ im Museum Ludwig in Köln 2009 erschien eine umfangreiche Chronologie zu Franz West. Ein erster Teil wurde von Eva Badura-Triska ursprünglich für die erste Retrospektive von Franz West „Proforma“ im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig im 20er Haus in Wien verfasst. Andrea Überbacher-Kloiber hat die Biografie für den Katalog bis zum Jahr 2009 erweitert.
Diese Timeline bietet einen Überblick mit ausgewählten Meilensteinen zu Leben und Werk von Franz West.
Auflage: 3, Aluminiumguss bemalt,
225 (H) x 115 x 64 cm
245 (H) x 130 x 80 cm
Die Lemuren sind Interpretation einer Menschendarstellung. Bei den Römern waren sie die Seelen der verstorbenen Geister, bei Karl Kraus metaphorische Spukgestalten. Bei Franz West treten die Köpfe oft zu zweit auf, meist aus Aluminium geschweißt für den Außenraum.