Passstück, o.J. (1970er Jahre)
„Schöne Aussicht“, 1989
„Gartenpouf“, 2007

Franz West und sein Publikum: Akteur:innen in der Kunst

Das künstlerische Schaffen von Franz West ist geprägt von Partizipation. Das Publikum soll zur Akteurin werden. Werke entstehen im künstlerischen Austausch. Ideen entwickelt Franz West medienübergreifend weiter und so wird eine Zeichnung zur Skulptur und eine Skulptur wird in einer Collage rezipiert. Ein dichtes Ineinandergreifen einzelner künstlerischen Werke zeigt dem Publikum ein facettenreiches Oeuvre.

Ausgewählt Werke

MEHR ANZEIGEN
2007
„Gerngrosssäule“
1982
„Rückkehr zu Freud“
um 1975
Passstück
2014, nach einem Entwurf von 2011, Herstellung posthum
„Krauses Gekröse“
1994
Chaiselongue
1996
„Kasseler Rippchen”
1991
o.T. (für Ettore Spalletti)
1986
Labstück
1989
Liege (Vermeer)
2000-2011
„Extroversion“
2001-2009
„Onkel-Stuhl“
2001
"Den Anrainern zuliebe”
um 1982/83
o.T.
1972
o.T.
1982
o.T.
2007
Plakatentwurf (Sequence 1 - Painting and Sculpture in the Francois Pinault Collection)
1998
Plakatentwurf (Basel)
1996
Plakatentwurf (Franz West at David Zwirner)
1996
„Alibert"
o.J. (Ende 1970er Jahre)
Passstück
2006
o.T.
2006
„Lotus”
2001-2009
„Onkel-Stuhl“
2006
„Eggs“
2006
„Maya’s Dream“
2012 (Fertigstellung posthum)
o.T.
2012
„Parrhesia“
1997
„Variable”
1996
Aus der Installation „12 Diwane”
2011
o.T.
2011
„Epiphanie an Stühlen“
2010
„Echolalie“
2000/2009
„Meeting Point 2“ (Modell)
2007
o.T.
1977
o.T.
1997
„Warum ist etwas und nicht nichts”
1982
Passstück (bemalt von Eugenia Rochas)
2008
„NYCNAC“
2007
„Pommes d’Adam“ (Modell)
2008
Plakatentwurf (Passstücke, Gagosian Gallery N.Y.)
o.J.
Passstück
o.J.
Passstück
2007
„Eine Studie“ (Modell)
2007
„Eine Studie“ (Modell)
2000/2007
“We’ll not carry coals”
2007
o.T.
1982
„H. Moser’s Messer (Symbolik (Dir, Reinhard))“
1999
“Schöner Wohnen”
2001-2009
„Onkel-Stuhl“
1998
„Sphairos (Die Kopie ihres Titels)”
1998
“Viennoiserie“
1996
“Spiegel in Kabine mit Passstücken”
1997-2003
„Doku-Stuhl”
o.J.
Labstück
1999
„Auto Sex”
1990
„PA 1”
1988
„Schöne Aussicht”
1990
„BI 5” (Passstück)

Werkgruppen

Papierarbeiten

Um 1970 datiert, belegen erste Kugelschreiberzeichnungen frühes künstlerisches Arbeiten. Im weiteren Verlauf der frühen 1970er-Jahre schuf Franz West Bleistiftzeichnungen und Gouachen sowie Collagen auf Magazinseiten. Die Illustrierten waren teilweise ehemaliges Lesematerial der Zahnarztpraxis der Mutter, Trägermaterial für die Gouachen war manchmal das Briefpapier der Praxis. In den 1990er-Jahren referieren Collagen auf Skulpturen, vor allem die Passstücke von Franz West: Fotografien werden kombiniert mit Werbeprospekten und in einen farbigen Kosmos versetzt. Es gibt jedoch auch eine große Anzahl an übermalten Magazinseiten, bei denen Franz West die Personen beispielsweise in pinke, grüne oder blaue Räume mit einem Schachbrett-Fliesenboden versetzt; kombiniert mit weiteren Zeichenelementen und Titel wird die Kontextverschiebung vollendet.

Passstücke

Kunst sollte bei Franz West erfahrbar werden, das Publikum selbst agieren. Mit der Idee des Passstückes fand er 1974 zu seiner eigenen künstlerischen Handschrift und revolutionierte damit den Kunstmarkt und die Kunstrezeption: das Kunstwerk wird vom Sockel geholt.

Die Werke sollten an den Körper angepasst werden, daher der Name. Gefertigt wurden die Passstücke hauptsächlich aus Papiermaché, Gips und Gaze, oft kombiniert mit Alltagsgegenständen, wie z. B. Besen, Kleiderbügeln, Duschköpfen. Spezielle Werkgruppen in diesem Kontext sind auch Labstücke (kombiniert mit Flaschen) oder Namensbilder (mit Schriftzügen von Namen).

Skulpturen

Franz West revolutionierte den Skulpturenbegriff mit den Passstücken, daraus resultieren die Möbelskulpturen. Skulpturen für den Außenraum bilden eine große Werkgruppe.

Franz West dehnte den kunstgeschichtlich, geprägten Skulpturenbegriff jedoch auch mit seinen bunten, meteoritenhaften Gebilden, die primär aus Papiermaché geformt wurden. Teilweise sind diese gestützt von Farbdosen oder Kübeln, oft montiert auf Ständern aus Armierungseisen. Das Formenvokabular dieser Skulpturen ist so zahlreich wie die Assoziationen zu Philosophie, Politik, Geographie, Semantik, ...

Möbelskulpturen

Im Verständnis von Franz West war ein Stuhl oder ein Tisch ein Passstück. Der Stuhl sei der Abdruck des Menschen, wenn er nicht geht, liegt oder steht.“

In den Möbeln trifft die körperliche Wahrnehmung eines Gegenstandes auf den Müßiggang, die Kontemplation. Franz West beschäftigte sich mit der Muße des Künstlers ebenso wie mit der des Betrachtenden. In diesem Sinne unterstützten die Möbel das Kunstschaffen im Atelier und waren oft integraler Bestandteil von Installationen.

Installationen

Das „Eintreten in die Kunst“ begeisterte Franz West bereits auf frühen Italienreisen mit seiner Mutter:

Ich war als Knabe in Rom und dort sehr beeindruckt, weil man oft direkt in die Bildhauerei integriert wird.“

Mit Installationen, oft eine Kombination von Bildern, Skulpturen und Sitz- oder Liegegelegenheiten, gestaltete Franz West einen künstlichen Raum, der es dem Publikum ermöglicht sich der Rezeption hinzugeben.

Die Einbeziehung seiner persönlichen Umgebung war dabei wichtiger Anteil: oft gruppierte West Bilder und Skulpturen von Künstlerfreund:innen mit seinen eigenen. Große Bilderwände entstanden und ganze Ausstellungen wurden gemeinsam gestaltet. So wurde auch die Atelierküche – bestückt mit über 40 Werken verschiedener Künstler:innen – Vorlage für „Extroversion“, eine eigenständige Installation, die 2011 auf der Biennale di Venezia gezeigt wurde.

Außenskulpturen

Bereits Ende der 1970er-Jahre interessierte sich Franz West dafür Skulpturen für den Außenraum zu machen. Er wollte mit Polyester arbeiten, ein Material, das witterungsbeständig – aber gesundheitsschändlich – ist, da frühe Arbeiten aus Papiermaché aufgrund eines Wassereintritts in der elterlichen Wohnung ihre ursprüngliche Form verloren und zu, wie er es nannte, „Fladen“ wurden.

1987 entstand mit Teilen der Waschmaschine seiner Eltern „Eo ipso“, eine Sitzskulptur aus Metall: die erste Skulptur für den Außenraum. Erst in den späten 1990er-Jahren begann West diese Werkgruppe intensiv umzusetzen. Anfänglich wurden die meterhohen Skulpturen aus Aluminium geschweißt, großteils nach Modellen im Maßstab 1:100. Später wurde ein Styropor- oder Papiermachékern mit epoxydharzgetränkten Glasfasermatten überzogen. Dieser Technik schrieb Franz West mehr Flexibilität in der Gestaltung zu.

Aktuelle Ausstellungen

Highlight

Franz West und Wien

Albertina Modern und Wien Museum widmen dem Künstler, der am 16. Februar 2027 achtzig Jahre alt geworden wäre, zwei Einzelausstellungen, die gemeinsam eröffnen werden. Parallel dazu öffnet das Atelier Franz West im 3. Wiener Gemeindebezirk seine Türen und zeigt Kunstwerke von West und Weggefährt:innen, die der Künstler in der Küche arrangiert hatte. Dieselbe Küche diente als Vorlage für den sogenannten Parapavillon „Extroversion“, der 2011 auf der Biennale Venedig installiert wurde.

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6. Nov. 2026 – 2. Mai 2027

Wien Museum
Karlsplatz 8
1040 Wien

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