Das künstlerische Schaffen von Franz West ist geprägt von Partizipation. Das Publikum soll zur Akteurin werden. Werke entstehen im künstlerischen Austausch. Ideen entwickelt Franz West medienübergreifend weiter und so wird eine Zeichnung zur Skulptur und eine Skulptur wird in einer Collage rezipiert. Ein dichtes Ineinandergreifen einzelner künstlerischen Werke zeigt dem Publikum ein facettenreiches Oeuvre.
Um 1970 datiert, belegen erste Kugelschreiberzeichnungen frühes künstlerisches Arbeiten. Im weiteren Verlauf der frühen 1970er-Jahre schuf Franz West Bleistiftzeichnungen und Gouachen sowie Collagen auf Magazinseiten. Die Illustrierten waren teilweise ehemaliges Lesematerial der Zahnarztpraxis der Mutter, Trägermaterial für die Gouachen war manchmal das Briefpapier der Praxis. In den 1990er-Jahren referieren Collagen auf Skulpturen, vor allem die Passstücke von Franz West: Fotografien werden kombiniert mit Werbeprospekten und in einen farbigen Kosmos versetzt. Es gibt jedoch auch eine große Anzahl an übermalten Magazinseiten, bei denen Franz West die Personen beispielsweise in pinke, grüne oder blaue Räume mit einem Schachbrett-Fliesenboden versetzt; kombiniert mit weiteren Zeichenelementen und Titel wird die Kontextverschiebung vollendet.
Kunst sollte bei Franz West erfahrbar werden, das Publikum selbst agieren. Mit der Idee des Passstückes fand er 1974 zu seiner eigenen künstlerischen Handschrift und revolutionierte damit den Kunstmarkt und die Kunstrezeption: das Kunstwerk wird vom Sockel geholt.
Die Werke sollten an den Körper angepasst werden, daher der Name. Gefertigt wurden die Passstücke hauptsächlich aus Papiermaché, Gips und Gaze, oft kombiniert mit Alltagsgegenständen, wie z. B. Besen, Kleiderbügeln, Duschköpfen. Spezielle Werkgruppen in diesem Kontext sind auch Labstücke (kombiniert mit Flaschen) oder Namensbilder (mit Schriftzügen von Namen).
Franz West revolutionierte den Skulpturenbegriff mit den Passstücken, daraus resultieren die Möbelskulpturen. Skulpturen für den Außenraum bilden eine große Werkgruppe.
Franz West dehnte den kunstgeschichtlich, geprägten Skulpturenbegriff jedoch auch mit seinen bunten, meteoritenhaften Gebilden, die primär aus Papiermaché geformt wurden. Teilweise sind diese gestützt von Farbdosen oder Kübeln, oft montiert auf Ständern aus Armierungseisen. Das Formenvokabular dieser Skulpturen ist so zahlreich wie die Assoziationen zu Philosophie, Politik, Geographie, Semantik, ...
In den Möbeln trifft die körperliche Wahrnehmung eines Gegenstandes auf den Müßiggang, die Kontemplation. Franz West beschäftigte sich mit der Muße des Künstlers ebenso wie mit der des Betrachtenden. In diesem Sinne unterstützten die Möbel das Kunstschaffen im Atelier und waren oft integraler Bestandteil von Installationen.
Das „Eintreten in die Kunst“ begeisterte Franz West bereits auf frühen Italienreisen mit seiner Mutter:
Mit Installationen, oft eine Kombination von Bildern, Skulpturen und Sitz- oder Liegegelegenheiten, gestaltete Franz West einen künstlichen Raum, der es dem Publikum ermöglicht sich der Rezeption hinzugeben.
Die Einbeziehung seiner persönlichen Umgebung war dabei wichtiger Anteil: oft gruppierte West Bilder und Skulpturen von Künstlerfreund:innen mit seinen eigenen. Große Bilderwände entstanden und ganze Ausstellungen wurden gemeinsam gestaltet. So wurde auch die Atelierküche – bestückt mit über 40 Werken verschiedener Künstler:innen – Vorlage für „Extroversion“, eine eigenständige Installation, die 2011 auf der Biennale di Venezia gezeigt wurde.
Bereits Ende der 1970er-Jahre interessierte sich Franz West dafür Skulpturen für den Außenraum zu machen. Er wollte mit Polyester arbeiten, ein Material, das witterungsbeständig – aber gesundheitsschändlich – ist, da frühe Arbeiten aus Papiermaché aufgrund eines Wassereintritts in der elterlichen Wohnung ihre ursprüngliche Form verloren und zu, wie er es nannte, „Fladen“ wurden.
1987 entstand mit Teilen der Waschmaschine seiner Eltern „Eo ipso“, eine Sitzskulptur aus Metall: die erste Skulptur für den Außenraum. Erst in den späten 1990er-Jahren begann West diese Werkgruppe intensiv umzusetzen. Anfänglich wurden die meterhohen Skulpturen aus Aluminium geschweißt, großteils nach Modellen im Maßstab 1:100. Später wurde ein Styropor- oder Papiermachékern mit epoxydharzgetränkten Glasfasermatten überzogen. Dieser Technik schrieb Franz West mehr Flexibilität in der Gestaltung zu.

Albertina Modern und Wien Museum widmen dem Künstler, der am 16. Februar 2027 achtzig Jahre alt geworden wäre, zwei Einzelausstellungen, die gemeinsam eröffnen werden. Parallel dazu öffnet das Atelier Franz West im 3. Wiener Gemeindebezirk seine Türen und zeigt Kunstwerke von West und Weggefährt:innen, die der Künstler in der Küche arrangiert hatte. Dieselbe Küche diente als Vorlage für den sogenannten Parapavillon „Extroversion“, der 2011 auf der Biennale Venedig installiert wurde.
Papiermaché, Karton, Stahl, Acrylfarbe, Gaze, Lack
143 (H) x 100 x 87 cm
Das Werk von Franz West beinhaltet mehr als 800 Skulpturen aus Papiermaché. Kurze und lange Ständer aus Armierungseisen wechseln sich beispielsweise mit solchen aus leeren Lackdosen ab. Manche Skulpturen aber sind meteoritenhaft direkt auf dem Boden gelandet oder hängen von der Decke ab.
Styropor, Epoxydharz, Kunstharzlack
290 (H) x 160 x 160 cm
Skulpturen für den Außenraum zu machen, war für Franz West bereits in den 1970er-Jahren von Interesse, weshalb er bei Bruno Gironcoli zu studieren begann, der mit wetterfestem Polyester arbeitete, das jedoch gesundheitsschädlich ist. Ende der 1990er-Jahre intensivierte sich Wests Beschäftigung mit dem Außenraum und es entwickelten sich rund 300 Skulpturen vorwiegend aus Aluminium oder Epoxidharz, die nun teilweise auch öffentlich zugänglich sind.
Auflage: 25, hrsg. von Memphis für Meta Memphis, Mailand
Stahl
85 x 70 x 72,5 (H) cm
Möbelskulpturen sind für Franz West eine Erweiterung seiner berühmten Passstücke: Ein Stuhl sei gleichsam der Abdruck eines Menschen, wenn er nicht gerade geht, liegt oder steht.
Gips, Metall (Duschkopf)
51 x 33 x 15 cm
In den 1970er-Jahren interpretierte Franz West den herkömmlichen Skulpturenbegriff neu: Objekte sollen verwendet werden und an den Körper angepasst eine zusätzliche künstlerische Dimension erlangen. Verwendete Materialien sind vorwiegend Gips, Gaze und Papiermaché, die er mit alltäglichen Gegenständen wie Besenstielen, Pinseln, Griffen oder hier zum Beispiel mit einem Duschkopf kombinierte.
Im Katalog zur Ausstellung „Autotheater“ im Museum Ludwig in Köln 2009 erschien eine umfangreiche Chronologie zu Franz West. Ein erster Teil wurde von Eva Badura-Triska ursprünglich für die erste Retrospektive von Franz West „Proforma“ im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig im 20er Haus in Wien verfasst. Andrea Überbacher-Kloiber hat die Biografie für den Katalog bis zum Jahr 2009 erweitert.
Diese Timeline bietet einen Überblick mit ausgewählten Meilensteinen zu Leben und Werk von Franz West.
Auflage: 3, Aluminiumguss bemalt,
225 (H) x 115 x 64 cm
245 (H) x 130 x 80 cm
Die Lemuren sind Interpretation einer Menschendarstellung. Bei den Römern waren sie die Seelen der verstorbenen Geister, bei Karl Kraus metaphorische Spukgestalten. Bei Franz West treten die Köpfe oft zu zweit auf, meist aus Aluminium geschweißt für den Außenraum.